In den Monitoringfallen sind bayernweit nach der Regenpause die höchsten Flugzahlen der Saison zu verzeichnen. Spitzenwerte liegen im Bayerischen Wald, im Frankenwald und im Fichtelgebirge mit mehr als 16.000 gefangenen Käfern pro Falle und Woche. Aber auch abseits dieser Regionen finden sich Fallenstandorte mit solch hohen Anflugzahlen. 

In den tieferen und mittleren Lagen Bayerns entwickeln sich bereits angelegte Bruten derzeit innerhalb kürzester Zeit - teilweise in nur einer Woche – vom Puppenstadium zum fertigen Jungkäfer. Der Jungkäferanteil in den Monitoringfängen steigt dadurch aktuell deutlich an. Dies weist auf den beginnenden Ausflug der Jungkäfer-Generation hin. Insbesondere in den tieferen Lagen oder an sonnenexponierten Standorten ist der Ausflug – je nach Witterung – schwerpunktmäßig in dieser Woche zu erwarten. In den höheren Lagen (z.B. Teile des Bayerischen Waldes, der Alpen) rechnen wir entsprechend mit ein bis zwei Wochen Verzögerung.

Der Ausflug der 1. Generation beginnt im Vergleich zum letzten Jahr eine Woche früher. Die Brutentwicklung hat sich aufgrund der kühlen und feuchten Witterung im Mai und Anfang Juni etwas verzögert, als es aufgrund des früheren Starts (ggü. 2023) denkbar gewesen wäre. Allerdings sind erhöhte Mortalitäten infolge der Niederschläge nicht zu erwarten. Problematisch ist zudem, dass die Befallserkennung (Bohrmehl und Nadelverfärbung) durch die vielen Niederschläge aktuell sehr schwierig ist und befallene Fichten nur schwer zu identifizieren sind. Die aufmerksame Suche nach frisch befallenen Bäumen ist daher besonders wichtig. Die Sichtbarkeit von Bohrmehl sollte mit den sommerlichen Temperaturen auch zunehmen. Die kommenden Tage sind daher der ideale Zeitpunkt für die Bohrmehlsuche.
Die ausschwärmenden Jungkäfer treffen auf derzeit gut mit Wasser versorgte Fichten. Jedoch sind die Buchdruckerdichten so hoch, dass es völlig außer Frage steht, dass Fichten in großem Umfang trotzdem erfolgreich befallen werden können. Die Population des Buchdruckers ist bayernweit auf einem besorgniserregenden Spitzen-Niveau.

Handlungsempfehlungen

  • Dringende Abfuhr bzw. Lagerung außerhalb des Waldes mit mind. 500 m Abstand zum nächsten Nadelholzbestand (auch Kiefern und andere Nadelhölzer kann der Buchdrucker erfolgreich befallen), Nutzung von Nass- und Trockenlagern. Achtung: Die Rinde sitzt recht locker. Wenn die Rinde Borkenkäferentwicklungsstadien enthält, sollte sie nicht im Wald verbleiben.
  • Entrindung (motormanuell oder mit Debarking Heads) ist in allen weißen Entwicklungsstadien wirksam. Sind schon Jungkäfer vorhanden, muss unbedingt die Rinde mit aus dem Wald entfernt werden. Die Käfer fliegen sonst aus. (nähere Informationen dazu auch im Merkblatt 50 der LWF)
  • Wenn keine der obigen Maßnahmen vor Ausflug möglich ist, Pflanzenschutzmittelbehandlung vor Ausflug mit einem Insektizid als Ultima Ratio.
  • Bohrmehlsuche bleibt dringend notwendig. Die kommenden Tage bieten angesichts der vorhergesagten sommerlichen Temperaturen dazu gute Rahmenbedingungen.
    Suchen Sie auch an frisch aufgearbeiteten Käfernestern und um nicht abgefahrene Holzpolter herum. Spechtabschläge und Harztropfen geben ebenfalls einen Hinweis auf möglichen Befall (mehr dazu auch in der Praxishilfe „Buchdrucker und Kupferstecher - Befall erkennen“).
    Die Befallsmerkmale Kronenverfärbungen und Rindenabfall bei grüner Krone nehmen in den letzten Wochen in den Beobachtungen zu. Sie geben jedoch nur einen Hinweis auf nicht entdeckten Frühjahrsbefall. Suchen Sie um diese Fichten herum intensiv nach Bohrmehl.

 

Quelle: - Blickpunkt Waldschutz Nr. 9/2024; Cornelia Triebenbacher, Tobias Frühbrodt, Karin Bork, Andreas Hahn

Bild von Foto-RaBe auf Pixabay

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