Runder Tisch: Digitalisierung will Hindernisse beim Datenaustausch im Cluster ausräumen

Die Arbeitsgruppen und Thementeams am Runden Tisch „Digitalisierung Forst und Holz“ haben ein Statuspapier zur Digitalisierung in der Branche vorgelegt. Das Papier dient als Grundlage für die Bearbeitung anstehender Themen an dem von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) moderierten Runden Tisch.

Die Verfasser des Statuspapiers decken aktuell bestehende Hindernisse bei der Umsetzung digitaler Strategien in der Praxis auf und empfehlen Lösungen zu deren Überwindung.

Zwar verfügten die Akteure des Clusters Wald und Holz für ihre Prozesse bereits über unterschiedliche IT-Lösungen, heißt es in dem Papier, dennoch seien Daten und Informationen nicht überall abrufbar, wo sie benötigt würden. Die IT-Lösungen seien heterogen und nicht offen für alle Beteiligten oder gar integriert entlang der gesamten Wertschöpfungskette. „Der Daten- und Informationsaustausch aller Akteure in der Logistikkette Forst und Holz ist im Vergleich zu anderen Branchen entwicklungsbedürftig“, konstatieren die Verfasser. Neben uneinheitlichen Hard- und Softwareprodukten, fehlender Standardisierung von Schnittstellen oder unterschiedlichem Professionalisierungsgrad der Akteure führten Personal- und Finanzmangel zu Reibungsverlusten, die sich u. a. auf der Kostenseite der Beteiligten widerspiegelten.

Das 40-seitige Statuspapier thematisiert in 15 einzeln herunterladbaren Kapiteln jeweils eine Problemstellung, stellt mögliche Lösungen dar und gibt Umsetzungsempfehlungen. Die Themen reichen von der Auseinandersetzung mit derzeit verfügbaren Datenstandards über digitale Lösungen im Privatwald bis zur Abbildbarkeit von CO2-Bilanzen oder zum Einsatz von KI und Sprachmodellen für den verbesserten Zugriff auf Datenbanken.

Cloudbasierte Datendrehscheibe für verschlüsselten Datentransfer

Beispielsweise untersuchten zwei Teams Möglichkeiten für kooperative IT-Strukturen bzw. Datenraumtechnologien für einen vertrauensvollen Datenaustausch zwischen den Akteuren der Wertschöpfungskette Forst und Holz.

Favorisiert wird im ersten Fall eine cloudbasierte „Datendrehscheibe“ bei souveräner Datenhaltung mit API-Schnittstellen für die unterschiedlichen Teilnehmer der Wertschöpfungskette. Die Daten werden nicht auf der „Drehscheibe“ gespeichert, sondern bleiben in den Unternehmen. Auftragsbezogen werden nur die für den jeweiligen Transaktionspartner notwendigen Daten sicher, verschlüsselt und nachvollziehbar über die „Drehscheibe“ transportiert.

Zur Wahrung der Datensouveränität könnten zudem dezentrale Datenraumtechnologien in Erwägung gezogen werden, wie sie z. B. in der europäischen Gaia-X-Initiative entwickelt werden. Eine vorgeschaltete Studie könnte Antwort auf die Fragestellung geben, wer in der Wertschöpfungskette auf welche Weise von einer dezentralen Datenaustausch-Plattform profitieren würde und ob eine solche Plattform öffentlich gefördert werden könnte. Um Einblick in Probleme und Möglichkeiten der Digitalisierung im Privatwald zu bekommen, plant das vorschlagende Thementeam außerdem zusammen mit einer Forstlichen Betriebsgemeinschaft ab Herbst 2024 den Start eines Best-Practice-Beispiels zum Datenaustausch in der Holzerntekette.

Auch die Entwicklung eines kompakten Leitfadens für Führungskräfte Forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse schlagen die Autoren vor. Mitglieder des Runden Tisches erarbeiten dafür zunächst eine Projektskizze zur Analyse, Dokumentation, Optimierung und Digitalisierung der Prozesse in den Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen. Parallel soll in Zusammenarbeit mit einem Initiativkreis aus möglichen Partnern ein konkretes Projekt „Prozessstandardisierung und -optimierung“ zur Entwicklung des Kompaktleitfadens initiiert und später mit geeigneten Projektpartnern umgesetzt werden.

Weitere Empfehlungen gelten etwa der Standardisierung von Forsteinrichtungsdaten oder der KI-basierten Baumartenerkennung.

Die Vorschläge und Ideen aus dem Statuspapier sind als Anregung für die fachliche Diskussion gedacht und stehen den Akteuren des Clusters zur Nutzung für eigene Initiativen frei zur Verfügung.

Am 12. Dezember 2024 ab 14.00 Uhr lädt die FNR online zu einer zweistündigen Informationsveranstaltung zum Statuspapier „Förderung der Digitalisierung des Clusters Forst und Holz" ein.

 

Hintergrund:

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat mit dem Runden Tisch „Digitalisierung Forst und Holz“ eine Plattform geschaffen, um die Digitalisierung im Cluster zu beschleunigen. Ziel des seit 2022 von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) moderierten Runden Tisches ist es, vorhandenes Wissen der Akteure zu vernetzen und den Transfer in die Praxis zu erleichtern. Dabei stehen die nachhaltige Waldbewirtschaftung und die Optimierung der Holzverwendung für Klimaschutz und Ressourcenschonung im Vordergrund.

Quelle: FNR

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