Die Waldbesitzervereinigung Bamberg e. V. ist eine der ältesten forstlichen Selbsthilfeeinrichtungen Bayerns, ihre Keimzelle entstand mit der Gründung der "Waldbaugenossenschaft Lange Meile" im Jahr 1909. Als "Lange Meile" bezeichnet man die Jurahochfläche zwischen Bamberg und Ebermannstadt.
Warum es gerade hier zur Gründung der ersten Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse Oberfrankens kam, erklärt sich beim Blick in die Geschichte dieser Region.

Bis um 500 nach Christus war der fränkische Jura nur sehr dünn besiedelt.
Unsere Vorfahren waren damals meist noch Jäger und Sammler.
Flächendeckend waren buchenreiche Laubwälder vorhanden, Nadelhölzer eine Seltenheit.

Entwaldung führte zur "Verkarstung" der Böden

In den Rodungswellen ab dem 6. Jahrhundert wurde die Jurahochfläche weitgehend entwaldet, mit verheerenden Auswirkungen: Die ungeschützten flachgründigen Böden auf dem sehr wasserdurchlässigen Kalkgestein sowie die höheren Windgeschwindigkeiten auf der Hochfläche führten zu Wasserarmut und Feinerdeabwehungen. Die Böden hagerten aus und die Landwirtschaft wurde bald wenig ertragreich.

Mit Gründung des Königreichs Bayern im Jahre 1806 wurden die vielen fränkischen "Kleinstaaten" aufgelöst. 1834 trat Bayern dem Allgemeinen Deutschen Zollverein bei. Dies erleichterte zwar den Handel, verschärfte aber auch die Konkurrenz zwischen landwirtschaftlich begünstigten Gebieten und ärmeren Gegenden, wie der Jurahochfläche. Ackerbau wurde hier nun auf großen Flächen unrentabel. Die damals noch profitable Schafbeweidung nahm so stark zu, dass sie eine natürliche Wiederbewaldung verhinderte.

Ab 1860 ermöglichte der zunehmende Überseeverkehr günstige Schafwollimporte, beispielsweise aus Australien. Frankreich und England verhängten um 1885 eine Importsperre für deutsche Mastschafe. Die Baumwolle eroberte immer größere Marktanteile. In der Folge nahm die Schafbeweidung zwar deutlich ab, doch trotz sinkender Rentabilität wurde sie weiterhin ausgeübt.

Um 1900 wurden auf dem Jurahochplateau Grundstücke billig verkauft, zum Teil sogar verschenkt, um keinen Bodenzins mehr zahlen zu müssen. Einige versuchten bereits, durch Wiederaufwaldung der Ödflächen den Wert ihrer Grundstücke zu steigern. Einer dieser Aufforstungspioniere ist der Schneidermeister Johann Ott (1876-1965).

Gründung der "Waldbaugenossenschaft Lange Meile" im Jahr 1909

Die Regierung erkannte, dass nennenswerte Aufforstungen der verkarsteten Jurahochflächen von der armen Bevölkerung nicht zu erwarten waren. Aus volkswirtschaftlichen Gründen wurde staatliche Unterstützung gewährt: Königliche Forstbeamte wurden eingesetzt und die Bildung von Aufforstungsgenossenschaften angeregt.

Gründungsvorsitzender der Waldbaugenossenschaft "Lange Meile" im Jahr 1909 war Johann Ott. Ziel der Vereinigung war es, Informationen zu vermitteln, Erfahrungen auszutauschen und die Pflanzenbeschaffung zu erleichtern. Waldfrevel und Schäden, vor allem durch weidende Schafe, sollten eingedämmt werden. Die "Lange Meile" zählt heute im Landkreis Bamberg zu den waldreicheren Regionen. Der Wald trug entscheidend dazu bei, dass sich die Böden auf der Jurahochfläche in den letzten 100 Jahren wieder erholen konnten. Die Bevölkerung nannte Johann Ott wegen seiner Verdienste "Waldvater". Für seinen unermüdlichen Einsatz zur Ödlandaufforstung erhielt er viele Auszeichnungen, 1954 sogar das Bundesverdienstkreuz. 1957 trat der 81-jährige Johann Ott nach 48 Jahren als Erster Vorsitzender zurück.

Aus der Waldbaugenossenschaft wurde später die Forstbetriebsgemeinschaft Landkreis Bamberg-Ost, die 2003 mit der Waldbesitzervereinigung Landkreis Bamberg-Nord zur heutigen WBV Bamberg verschmolz. Mit rund 12.000 ha Waldfläche ihrer mehr als 2.400 Mitglieder ist die Waldbesitzervereinigung Bamberg e. V. heute eine der großen Selbsthilfeeinrichtungen für private und kommunale Waldbesitzer Bayerns.